Einen Marathon laufe ich nie, das ist Irrsinn, das ist gefährlich und überhaupt! Versteht mich nicht falsch, ich liebe Laufen und ein Halbmarathon ist eine wunderbare Distanz – aber ein Marathon? Niemals.
Das waren bis zum letzten Sommer meine Worte, wenn man mich auf dieses Thema ansprach. Aber irgendwie, an einem Samstagabend auf der Couch, kam mir der Gedanke, ich müsste mal etwas Verrücktes machen. Diesen Gedanken habe ich noch ein bisschen in mir getragen, bis kurz darauf, nach einer Rennradtour mit Freunden, diese auf ähnliche Gedanken kamen. Und dann war alles zu spät. Noch am selben Abend meldeten wir uns für den Hamburg Marathon an, ohne Rücktrittsversicherung versteht sich.
Eine Reise beginnt
Das schöne war, ich hatte ab jetzt noch viel Zeit mich vorzubereiten und nach dem ich in der letzten Zeit eh ein bisschen die Freude am Rennrad fahren verloren hatte, war das eine willkommene Gelegenheit, sich mal wieder auf etwas anderes zu konzentrieren. So begann ich mit vielen, vielen Grundlagenausdauer-Läufen mein Marathon Training. Am Anfang war ich hin und her gerissen, kann ich das alleine oder brauche ich professionelle Unterstützung. Ein Marathon ist ja schließlich was Ernstes und ich möchte nicht sterben und was noch so alles schlimmes bei Marathons passieren kann. So ging das wochenlang hin und her, aber am Ende haben mich meine Lauf-Buddies beruhigt, dass man das ja wohl selbst hinbekommt. Und ja, mit meiner Erfahrung, dem Garmin Running Coach und ein bisschen KI-Inspiration, entwickelte ich eine ganz gute Idee davon, wie ich mein Training gestalten möchte.
Die Grundlagen-Zeit begleitete mich bis zum Ende des Jahres, hin und wieder setzte ich mal ein paar Reize, aber im Großen und Ganzen bin ich diszipliniert, langsam gelaufen. Und das war wunderschön. Kein Druck, nur ich, der nasse Herbst, Musik auf den Ohren. Ich habe in dieser Zeit tatsächlich das Laufen für mich noch mal ganz neu entdecken können. Mittlerweile hatte ich mich auf drei Läufe die Woche eingependelt und muss echt sagen, dass es mir einfach Spaß gemacht hat.
Dann kam der Winter, was in unseren Breitengraden eigentlich nur noch mehr Regen als im Herbst bedeutet. Aber 2026 war anders. Es gab Schnee – viel Schnee und Eis und das über Wochen hinweg. Da ich mir beim Training nicht die Beine brechen wollte, meldete ich mich irgendwann verzweifelt im Fitnessstudio an, um dort das Laufband nutzten zu können. Und ja, das habe ich auch genau einmal getan. Dann doch lieber auf Tauwetter warten und sich die Zeit auf der Rolle im eigenen Keller vertreiben. Und irgendwann ging es dann auch wieder. Und mit dem besseren Wetter kam auch eine neue Trainingsphase und die langen Läufe. Ein paar konnte unser Running-Team zusammen absolvieren, einige hatte Markus mir auch schön von der Haustür aus geplant. Und nach jedem Lauf stand ein neuer Distanz-Rekord auf der Uhr, ein tolles Gefühl.
Jetzt fehlt nur noch der Kopf
Als der längste Lauf anstand, wir hatten 32km ums Steinhuder Meer geplant, wurde ich natürlich krank. Zum Glück nur ein milder Schnupfen, sodass ich nur zwei Wochen später die Distanz doch noch angehen konnte. Für mich hatten diese 32km etwas besonderes. Es war der längste Lauf im Training, vorne stand eine 3 und keine 2 mehr und das fühlte sich schon ein bisschen nach Marathon an. Markus plante eine tolle Strecke und stand mir als Versorgungsfahrzeug auf dem Fahrrad zur Seite, vor allem in meinen schwachen Momenten. Aber am Ende schaffte ich auch das und es fühlte sich toll an.
Ich fühlte mich schon fast verboten gut vorbereitet, hatte keine Beschwerden, Wehwehchen oder irgendwas anderes was mich daran gehindert hätte diesen Marathon zu laufen. Körper war also ok, in der letzten Woche wollte ich mich dann hauptsächlich um meinen Kopf kümmern. Denn von dem wusste ich, dass er mir auch noch einen Strich durch die Rechnung machen konnte. Hier habe ich dann tatsächlich noch mal die KI bemüht und mir ein paar Vorschläge für mentale Strategien und die Vorbereitung an den letzten Tagen vor dem Event geben lassen. Und auch das hat tatsächlich geholfen. Meine Idee für diesen Lauf war nie irgendein bestimmtes Zeitziel, ich wollte einfach mal diese Distanz laufen. Ich hatte noch nie so ein großes Sportevent selbst erlebt und auch das wollte ich einfach genießen.
„Einfach“ abliefern
Und dann standen wir da, in unserem Block, kurz vor dem Start. Es war eine starke Spannung zu spüren, mein Kopf gab mir das Signal, dass ich unbedingt noch mal ein Klo aufsuchen sollte, aber mein Körper wusste, dass das nicht stimmt. Körper schlug Kopf und mir blieb die Dixi-Erfahrung erspart. Interessanterweise war für mich der Start der emotionalste Moment des ganzen Laufes und ein paar Tränen sind gekullert, als ich darüber nachdachte wie lange ich für diesen Moment trainiert habe, was alles in dieser Zeit passiert ist und dann ging’s los. Für mich wie ein Fiebertraum, ich schwebte fast über die Straßen, freute mich über jedes einzelne Schild am Rand, über jeden der uns anfeuerte, einfach über alles und ich hatte bis zum Schluss einfach einen wundervollen Lauf. Nicht gefährlich, irrsinnig vielleicht.
Abschließend noch ein paar Worte zum Thema KI Support. Ich hatte mich am Ende gegen einen Trainer entschieden, da ich keine großen Zeitambitionen hatte. Ich treibe seit vielen Jahren Sport und kann daher mich und meinen Körper mittlerweile sehr gut einschätzen, kenne Grenzen und weiß an welcher Stelle ich sie übertreten darf. Wenn mir eine Sache Spaß macht bin ich aus mir heraus motiviert und diszipliniert. All das sind Themen, bei denen ein Coach hervorragend unterstützen kann, das Beste aus einem heraus zu holen. Aber das brauchte ich nicht. Ich habe KI nur in Zusammenhang mit meiner Erfahrung genutzt. Und da sehe ich wiederum das Potenzial der KI, als Ideengeber. Für den Rest nutze ich dann mein menschliches Gehirn.
